Ponchoism

Kurzreview: Hansel & Gretel: Witch Hunters

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Nach ihrem Sieg über die Hexe aus dem berüchtigten Knusperhaus betätigen sich die mittlerweile erwachsenen Geschwister Hänsel (Jeremy Renner) und Gretel (Gemma Arterton) als professionelle Hexenjäger mit Armbrust und Schrotflinte. Der Bürgermeister von Augsburg beauftragt sie in den Wäldern der Stadt nach vermissten Kindern zu suchen, die vermutlich von Hexen entführt wurden..

Die Idee, dass Hänsel und Gretel sich mit Hilfe roher Waffengewalt im ‘witch-killing-business’ verwirklichen war an sich nicht schlecht, die Umsetzung ist es dann leider doch. Der Film kommt recht platt rüber, was nicht unbedingt schlimm sein müsste, wäre er dabei wenigstens lustig. Jedoch weiß das Script zwischendurch selbst nicht mehr, ob es eine Parodie des Genres sein möchte oder nicht und auch sonst fallen die Witze eher flach aus - der Film bleibt also ebenso in dieser Hinsicht unter den Erwartungen.

Was haben wir also: eine Action-Fantasy-Schablonenstory, schlechte One-Liner und mittelmäßige Spezialeffekte mit vielen Splattereinlagen und draufgezimmerten ‘3D-Momenten’ à la Objekt-XY-wird-in-Richtung-Kamera-geworfen (ohje..). Wie bereits erwähnt gefiel mir immerhin die Prämisse und ein paar kleine Ideen, wie der an Diabetes erkrankte Hänsel, der als Kind im Hexenhaus zwecks seiner Mästung zuviel Süßkram essen musste. Alles andere ist jedoch leicht vergessen.

Wertung: 1.5 von 5 Pkt.

Kurzreview: Drinking Buddies

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Kate (Olivia Wilde) und Luke (Jake Johnson), beste Freunde und Arbeitskollegen in einer Bierbrauerei, kommen fast zu gut miteinander aus, sind aber beide jeweils in einer (mehr oder weniger) festen Beziehung. Ein gemeinsamer Ausflug der beiden Paare ändert die Voraussetzungen..

Angenehm anzusehen, schöne Menschen trinken und reden viel, wenn auch über Nichts. Der Titel ist Programm. Am interessantesten ist das, was unausgesprochen bleibt. Das ohne ein vorhandenes Drehbuch sondern mittels Improvisation gut hinzubekommen ist bestimmt nicht einfach, es gelingt dem Cast aber. Zu großen Überraschungen kommt es nicht, aber die sollte man auch nicht erwarten bei Mumblecore-/Slice-Of-Life-Filmen wie diesem. Insofern erfüllt der Film seinen Zweck und unterhält trotz seiner (zumindest oberflächlichen) Trivialität.

Wertung: 3.5 von 5 Pkt.

Review: ‘Man Of Steel’

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Die Superhelden-Geschichte um Kal-El/Clark Kent/Superman ist seit vielen Jahrzehnten fester Bestandteil amerikanisch-westlicher Populärkultur und wurde bisher in nahezu allen Erzählmedien umgesetzt, weiterentwickelt und neuerzählt. Der neueste Reboot des Superman-Franchise namens Man Of Steel von Regisseur Zack Snyder und mit Henry Cavill in der Hauptrolle bildet den Beginn einer mehrteiligen Filmreihe, wie es derzeit im Bereich der Comicheldenverfilmungen üblich ist. Ob jedoch die Man Of Steel-Reihe um Superman die Erfolge der Dark-Knight-Trilogie oder des Marvel-Cinematic-Universe (Iron Man, Hulk, The Avengers, …) übertreffen kann, bleibt abzuwarten.

Die Story: Angesichts der drohenden Zerstörung ihres Heimatplaneten Krypton schicken Wissenschaftler Jor-El und seine Frau Lara ihren neugeborenen Sohn Kal-El zusammen mit dem Codex - dem Erbgut der Kryptonier - per Raumschiff zur Erde. Das Farmer-Ehepaar Kent findet und adoptiert Kal-El (nun Clark Kent), rät ihm aber in seiner Jugend, seine bemerkenswerten körperlichen Fähigkeiten der Welt nicht preiszugeben, da diese noch nicht bereit dafür sei. Als Erwachsener reist Clark im Alleingang umher und übernimmt Gelegenheitsjobs um schließlich bei einer Expedition eines im Eis verborgenen kryptonischen Raumschiffs seine wahre Identität und die Gründe seiner Fähigkeiten zu erfahren. Ein dabei ausgelöstes Signal bringt den überlebenden kryptonischen Rebellenführer General Zod auf Clarks Fährte, welcher Pläne eines Wiederaufbaus der kryptonischen Kultur hegt und dafür auch nicht vor der Zerstörung ganzer Planeten zurückschreckt. Zod benötigt hierfür jedoch den Codex, der sich in Clarks Besitz befindet…

Der Film bemüht sich, die Entstehungsgeschichte Supermans recht detailliert zu erzählen und beginnt somit als ‘originstory mit eher kurzen Actioneinlagen, schwingt aber ab der Hälfte in gigantisches Superhelden-Actionkino um. Beiden Teilen wird dabei ihre notwendige Zeit gewährt, so dass es zu einer recht langen, aber zum ‘larger-than-life-Dasein der Figur passenden Gesamterzählung kommt.

image-Die Welt rettet sich nicht in popcorntütenfreundlichen 90 Minuten! #DealWithIt- 

In der ersten Hälfte mangelt es nicht an Zeitsprüngen und Rückblicken in Clarks Kindheit und Jugend, generell wird die Geschichte aber sehr ‘geradeaus’ erzählt. Es bleibt nur selten unklar warum Dinge passieren oder Charaktere so handeln wie sie es tun, mit großer Ausnahme des Verhältnisses zwischen Clark und seinem Adoptivvater John Kent (Kevin Costner), das man bestenfalls als undurchsichtig beschreiben kann. Gut gelungen erscheint das Verhältnis zwischen Clark und Lois Lane (Amy Adams), der Reporterin des Daily Planet. Das in älteren Varianten der Geschichte lang durchgezogene Versteckspiel Supermans hinter seiner menschlichen Identität wird hier zugunsten klarer Verhältnisse fast komplett weggelassen - Lois weiß über seine Doppelidentität recht schnell Bescheid.

An der visuellen Umsetzung des Films ist nichts auszusetzen. Zack Snyder sorgt zusammen mit einem detaillierten Produktionsdesign für eindrucksvolle Bilder und monumentale Action, für die er bereits seit 300 bekannt ist. Henry Cavills Performance in der Hauptrolle ist nicht außergewöhnlich aber er zeichnet sich zumindest visuell wegen seiner extrem muskelbepackten Erscheinung und dem bislang coolsten Superman-Kostümdesign als bisher geeignetester Supermandarsteller aus.

image-endlich sind die Zeiten der ‘Superman Returns’-Unterbuxen-Optik von 2006 vorbei-

Es mangelt dem Film nicht an einer reichlichen Portion pathetischer Momente, die aber bei einem gottesgleichen Charakter wie Superman nur notwendig sind. Wer, wenn nicht Superman, ist die auf die Erde gekommene Verkörperung des nahezu allmächtigen Guten? Der Vergleich zu Jesus ist hierbei offensichtlich und wird dementsprechend auch im Film kurz aufgegriffen, jedoch nicht in überzogenem Maße.

Generell gesehen machen die Übermacht und Gutmütigkeit Supermans es jedoch nicht leicht, aus ihm eine wirklich interessante Erzählung herauszuholen, da es ihm an körperlichen sowie charakterlichen Schwächen mangelt. Er ist zwar nicht vollkommen unsterblich aber es kann ihm nahezu nichts etwas anhaben. Das Superman-Franchise ist damit generell in der Gefahr, bei falscher Herangehensweise langweilig zu werden. Man Of Steel ist von diesem Problem nicht ausgenommen. Eine Wandlung zu einer größeren Verletzlichkeit der Figur wäre auf der einen Seite zwar wünschenswert gewesen, auf der anderen Seite hätte man vermutlich einen Großteil der Fangemeinde durch eine solch wesentliche Änderung verärgert. Die größte Schwäche Supermans besteht damit ironischerweise in seiner übermäßigen Stärke und bleibt nur schwer zu ‘beheben’. Vielleicht gelingt dies in den kommenden Fortsetzungen.

Trotz dieser Problematik gelingt es Man Of Steel, durch einen guten Aufbau sowie hervorragende Bilder gut zu unterhalten und die neue Filmreihe mit einem sehenswerten ersten Teil zu beginnen. 

Wertung: 4 von 5 Pkt.

Don Draper auf dem Weg zur Integrität.. bester Frame aus dem ‘Mad Men’ Staffel-6-Finale “In Care Of”.. Subtext Ahoy!

Don Draper auf dem Weg zur Integrität.. bester Frame aus dem ‘Mad Men’ Staffel-6-Finale “In Care Of”.. Subtext Ahoy!

Ein persoenlicher Abgesang an (heutige) 3D-Filme

In einer Zeit in der nahezu alle größeren Filmproduktionen auch in einer 3D-Fassung im Kino erscheinen, fragt man sich ob dieser Trend, der bereits seit den Anfängen der Filmtechnik mehrfach auf- und wieder abtauchte, nun eine wirkliche Daseinsberechtigung erreicht hat. Wird durch die 3D-Produktionen für mich als Zuschauer so etwas wie ein ‘visueller Mehrwert’ erzeugt, der den Kinobesuch zu einem besseren Erlebnis macht als gewöhnliche 2D-Vorstellungen? Werde ich durch die optische Tiefenwirkung mehr vom Film eingenommen, da das Geschehen auf der Leinwand realitätsnaher erscheint?

Im Dezember 2009 war AVATAR für mich insofern ein Erlebnis, da es mein erster 3D-Kinobesuch war. Die Brille ermöglichte es mir, Filme auf eine neue Art zu sehen, und vermutlich allein durch diese Neuerfahrung war ich damals tatsächlich beeindruckt.

Vorgestern sah ich dann meinen zweiten 3D-Film (THE AMAZING SPIDERMAN) und kam mit diesem zur Ansicht, dass der jetzige Stand der 3D-Filmtechnik das Kinoerlebnis eben nicht verbessert und zwar aufgrund folgender Punkte:


1. Das Bild als solches

Die Brille verändert (notwendigerweise) die Sicht auf die Leinwand, ansonsten käme der 3D-Effekt nicht zustande. Jedoch wandelt sich das Bild größtenteils nicht im positiven Sinne, denn beim Vergleich mit/ohne Brille fällt auf, dass sie dem Bild einiges an Helligkeit und Farbsättigung nimmt. Es erinnerte mich in gewisser Weise an den Economy-Modus bei moderneren TV-Geräten. Der Farbton ändert sich ebenfalls wenn man durch die Brille sieht, das Bild erschien mir um einiges grünlicher als normal.

-abgebildet: der sichere Untergang der westlichen Zivilisation-


2. Der ‘erzwungene Fokus’

Der 3D-Film zielt auf ein realitätsnaheres Erlebnis ab, da er dem Bild Tiefenwirkung verleiht. Die Augen sehen durch die Brille jeweils eine minimal verschobene Ansicht der Objekte im Film, wodurch der räumliche Eindruck entsteht. Dies funktioniert zwar recht gut, jedoch fällt eben dadurch in einem höheren Maß ein generelles filmtechnisches Problem auf, nämlich dass der Betrachter nicht frei entscheiden kann, welchen Bereich des Bildes er mit seinen Augen fokussieren (im Sinne von scharfstellen) möchte. In den meisten Fällen wird im Film natürlich dafür gesorgt, dass das Obekt im Fokus ist, auf welches man eh blickt, bspw. das Gesicht der sprechenden Person. In manchen Situationen guckte ich jedoch bspw. auf eine Stelle, die sich tiefer im Raum befand, welche sich dann aber natürlich nicht einfach (wie im echten Leben) scharfstellte.

Das ist kein spezifisches Problem von 3D-Filmen - mein Punkt ist nur, dass das Problem bei diesen stärker auffällt. Die Augen können beim 3D-Film vermeintlich ‘mehr’ (nämlich räumlich sehen), scheitern daraufhin jedoch am beschriebenen Fokus-Problem, was irritiert und den Betrachter somit in die Realität außerhalb des Films zurückholt. Die Illusion eines realitätsnaheren Bildes geht zumindest für mich damit verloren. Ähnlich hierzu das nächste Problem:


3. Die Brille

Dieser Punkt betrifft mich als Nichtbrillenträger besonders, da mir während der Vorstellung ca. alle 10 Minuten auffiel, dass ich ein schwarzes, breitrahmiges Gestell auf der Nase habe, in einem großen dunklen Raum sitze und mit einigen anderen Personen zusammen auf eine große helle Fläche starre - all das lediglich aufgrund des ungewohnten Brilletragens. Bei 2D-Vorstellungen wird mir eher selten bewusst, dass ich überhaupt einen Film sehe, ausgenommen bei lautem Gelächter oder langweiligen Stellen. Bei der 3D-Vorstellung hatte ich jedoch oft einfach wegen der Ablenkung durch die Brille das Gefühl, mich wieder zurück auf den Film konzentrieren zu müssen.

-ganz davon abgesehen, dass man als 3D-Brillenträger im Kollektiv reichlich beknackt aussieht-

Die Brillengläser sind zudem für ihren Zweck nicht grade groß, sodass man den Kopf ungewohnt still und gerade halten muss, damit man die komplette Leinwand im Brillensichtbereich behält. Ob diese Probleme auch bei gewohnten Brillenträgern auftreten, kann ich nicht sagen, aber ich könnte mir vorstellen, dass es bei ihnen ebenso zu diesen Effekten kommt - alleine dadurch, dass die 3D-Brille zusätzlich zur eigenen aufgesetzt wird und eben nicht das gewohnte eigene Modell ist.


4. Der Aufpreis

Ich verstehe, dass zum Beginn des neuen 3D-Booms ab 2009 die Kinos ihre Anschaffungskosten für neue Projektoren irgendwie wieder reinholen mussten. Hinzu kommen natürlich generell höhere Kosten bei der Produktion von 3D-Filmen. Jetzt da der Wandel allerdings größtenteils vollzogen sein sollte, frage ich mich, wie der Aufpreis von 50% auf eine ohnehin schon nicht günstige Kinokarte noch gerechtfertigt ist. Als einziger plausibler Grund würde mir eben der ‘visuelle Mehrwert’ bzw. ein allgemein verbessertes Gesamterlebnis des Kinobesuchs einfallen. Ich kann jedoch nicht sagen, dass sich dies für mich bewahrheitet. Im Gegenteil: 3D-Filme zum jetzigen Stand der Technik verschlechtern meiner Ansicht nach das Filmerlebnis.

Man könnte erwidern, dass mir all das ja reichlich egal sein kann, solange es noch 2D-Vorstellungen in Kinos gibt. Das stimmt, die Frage ist jedoch, ob der Trend zu 3D diesmal nicht bereits zu stark vorangeschritten ist: für THE AMAZING SPIDERMAN war ich zumindest im Cinestar Siegen gezwungen eine 3D-Vorstellung anzusehen, da 2D-Vorstellungen des Films garnicht erst angeboten werden. Wäre ich eine der Personen, die sich 3D-Filme generell nicht ansehen können, da sie davon Kopfschmerzen und Übelkeit bekommen, könnte ich mir THE AMAZING SPIDERMAN also von der Backe streichen.

Insofern freue ich mich darüber, dass sich bspw. Regisseur Christopher Nolan klar gegen den Trend ausgesprochen hat und zumindest THE DARK KNIGHT RISES demnächst außschließlich in gewohnt-altmodischer Zweidimensionalität über die Leinwand flackern lässt.. :D

Anonym asked: wann kommen endlich neue reviews?! oder ist ponchoism im ruhestand?

Im Moment irgendwie ja, da es mir an Zeit mangelt.. ich werd mich aber demnächst mal wieder auf den Weg in’s Kino machen! :)

Review: ‘Chronicle’

Im Gegensatz zu den klassischen Superheldengeschichten um Batman, Spiderman usw. befasst sich ‘Chronicle’ weniger mit dem Heldenmythos. Es stehen vielmehr übermenschliche Kräfte an sich und die damit verbundene Macht, bzw. deren psychologische Auswirkungen auf ihre Träger im Mittelpunkt des Geschehens. Dieser Fokuswechsel auf eine eher realismusgebundene Behandlung des Themas bringt meiner Meinung nach frischen Wind in die Kategorie der Superheldenfilme mit ihren eher “fantastischen” Heldenerzählungen. ‘Chronicle’ versucht, einen etwas moderneren Weg zu gehen. Dem Titel entsprechend wird die Geschichte in Form von chronologisch angeordneten “found-footage”-Sequenzen erzählt, ganz ähnlich zu anderen bekannten Handkamera-Filmen wie ‘Blair Witch Project' oder 'Cloverfield’. ‘Chronicle’ macht dabei jedoch auf technischer sowie erzählerischer Ebene eine bessere Figur als die genannten Vorläufer.

-Handkamera-Filme: so meta, man glaubt’s nich-

Der Highschool-Schüler Andrew (Dane DeHaan) beginnt eines Tages sein Leben zu filmen. Auslöser hierfür sind Frustrationen über seine soziale Außenseiterrolle, die gewalttätigen Übergriffe seines Vaters sowie die Krebserkrankung seiner Mutter. Während einer Party wird er von seinem Cousin Matt (Alex Russell) und dem in der Schule sehr angesehenen Steve (Michael B. Jordan) gebeten, ihre Erkundung eines kraterähnlichen Lochs in einem nahegelegenen Waldstück zu filmen. Als sie hineinklettern, entdecken sie eine seltsame kristallartige Struktur, die ihnen heftige Kopfschmerzen und Nasenbluten bereitet. Nach Störungen im Filmmaterial und einem harten Schnitt wird dem Zuschauer klar, dass Andrew seine Aufzeichnungen erst einige Zeit später fortführt. Die drei nun befreundeten Schüler haben seit dem Vorfall Superkräfte und fertigen Testaufnahmen davon an. Sie können mit Gedankenkraft Bälle in der Luft halten, LEGO-Sets zusammenbauen und nach einiger Übung sogar sich selbst schweben lassen und somit fliegen. Andrew scheint die telekinetischen Fähigkeiten am Besten zu beherrschen, bringt damit jedoch (nach einigen harmlosen Streichen) einen Menschen in Lebensgefahr…

'Chronicle' zieht neben der chronologischen Abfolge der Ereignisse eine stetig steigende Spannungskurve durch: die Geschichte baut sich sehr stringent auf, es kommt keine Langeweile auf. Man sollte keine übermäßige Komplexität erwarten, aber eine dennoch interessante, durchdachte und detailreiche Story. Neben guter Action gibt es viele ruhigere Momente, welche dem Film Zeit geben die Charaktere und ihre Motivation näher zu beleuchten, besonders die von Andrew und seinem Cousin Matt. Die Story wird zudem auf sehr realistische Art erzählt, größere Logikfehler innerhalb des Films gibt es nicht. Zum Ende hin mag es für manche zu dick aufgetragen wirken, es macht aber dennoch filmintern Sinn. Auch die Schauspielleistungen des eher unbekannten Casts tragen zur erlebten Natürlichkeit der Geschehnisse bei. Man kann sich als Zuschauer in eine “Was-wäre-wenn”-Haltung begeben und den Film in fast dokumentarischer Erwartungshaltung genießen.

-O_O-

Neben dem Plot trägt auch die überzeugende technische Machart zur Natürlichkeit bei. Ich habe bisher noch keinen besseren Einsatz einer Handkamera gesehen, der zudem noch neue Ideen bereithält: Andrew bereitet dem Film in sprichwörtlicher Eigenregie Bildeinstellungen, die in Handkamera-Filmen eher unüblich, da nicht plausibel sind. Er kann aufgrund seiner Telekinese-Fähigkeiten die Kamera an jeder beliebigen Stelle im Raum schweben lassen und erzeugt somit an einigen Stellen spektakuläre Kamerafahrten und für manchen Dialog die klassischen over-the-shoulder-shots. In reinen Handkamerafilmen wie ‘Blair Witch Project’ wäre dies fehl am Platz; hier macht es auf einmal Sinn! Zusätzlich wird auch das Bildmaterial aus der Umgebung wie bspw. von Fernseh- und Überwachungskameras für den Film genutzt. ‘Chronicle’ verdient die Bezeichung des “found-footage” also in einem höheren Maße als wirklich reine Handkamera-Filme, da verschiedene Bildquellen zu einem Gesamtwerk vereint werden.

Insgesamt wirkt ‘Chronicle’ auf visueller Ebene daher sehr beeindruckend. Es sind jedoch manchmal etwas billig wirkende Spezialeffekte zu bemängeln. Diese müssten eigentlich nicht sein, da der Großteil des Films gut mit ihnen umzugehen weiß - bspw. sind die Flugszenen wirklich gut gemacht.

Der Film ist spannend, düster aber stellenweise auch witzig. Ich musste mehrfach lachen über Situationen und glaubwürdige Dialoge, nicht weil die Witze des Jahrhunderts gerissen werden, sondern weil man wirklich so miteinander redet wie die Protagonisten es tun. Dies gelingt leider längst nicht jedem Film. Auch die deutsche Synchronisation fällt positiv auf. Überzeugende Charakterentwicklungen (zumindest bei den Hauptcharakteren) und wie oben erwähnt die guten schauspielerischen Leistungen runden das Filmerlebnis ab. Es fällt auf, dass die Hauptdarsteller zu alt sind um noch in der Highschool zu sein, aber letztendlich verzeiht man dem Film solche Details aufgrund seiner vielen (wichtigeren) Vorzüge.

-warum guckt ihr nach hinten, das seltsame blaue Licht ist vor euch-

Insgesamt bietet der Film wirklich gute Unterhaltung. Hinzu kommen Einblicke in verschiedene Verhaltensweisen von Menschen in plötzlichen Machtpositionen und eine technisch gut durchdachte, moderne Herangehensweise an Science-Fiction. Für Fans des Genres ist ‘Chronicle’ aus diesem Grund zu empfehlen, für alle anderen einfach weil es ein guter Film ist.

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Review: ‘The Grey - Unter Woelfen’

Nach ‘Die Frau in Schwarz’ folgt nun ein weiterer Film, dessen Trailer etwas anderes verspricht als was der Film einlöst. Mancher mag sich in so einer Situation im positiven Sinne überrascht fühlen, ich bevorzuge es jedoch, wenn ein Trailer einen realistischen Ausblick auf den Film gibt, denn das ist meiner Meinung nach seine Aufgabe. Auf Dauer wird einem das Geld zu schade für Filme, deren Fokus so verzerrt dargestellt wird und somit mehr enttäuschen als überraschen.

-zu sehen: triste Eindimensionalität.. und ‘ne Winterlandschaft-

In ‘The Grey - Unter Wölfen’, geht es um eine Gruppe von Arbeitern eines Ölkonzerns, die nach einem Flugzeugabsturz in der Wildnis von Alaska ums Überleben kämpfen müssen. Scharfschütze Ottoway (Liam Neeson), dessen Job es war, die Arbeiter an den Anlagen vor Wolfsattacken zu schützen, stellt sich schnell als fähiger Führer der Gruppe im Kampf gegen die Kälte, den Hunger und *trommelwirbel* die Wölfe heraus.

Diese Storyline ist nicht die originellste, verspricht aber einen actionbepackten ‘No-Nonsense’-Survivalfilm. Passend hierzu die Besetzung der Hauptrolle mit Liam Neeson - was soll denn da schiefgehen?

-er starrt tief in deine Seele.. und in deine Brieftasche-

Zunächst das Positive: Die Charaktere sind gut gespielt (soweit das Script das zulässt), auch auf Seiten der eher unbekannten Restbesetzung. Man merkt der Gruppe Überlebender das Gefühl der Aussichtslosigkeit im Kampf gegen die Bedrohung an. Auch die Bilder überzeugen auf voller Linie; die eisige Wildnis ist schön in Szene gesetzt und lässt schon beim Zusehen mitfrieren. Das gesamte erste Drittel des Films steht im Einklang mit der Erwartungshaltung an einen Survivalfilm, im Anschluss daran stellt der Film jedoch unverständlicherweise auf Sparflamme zurück.

Nach einem recht langwierigen Mittelteil passiert auch im letzten Drittel (einer Stelle im Film an der man ein Höchstmaß an Spannung erwartet hätte) so gut wie nichts. Man wird nahezu komplett um eine Spannungskurve betrogen, nur gelegentliche, viel zu verwackelte Close-Up-Actionszenen unterbrechen die dahinplätschernde Vielzahl an Lagerfeuer-Gesprächen über Wölfe, den Tod und Religiösität. Ja, die Gruppe wird nach und nach dezimiert. Ja, die Führungsrolle Ottoways wird kurzzeitig in Frage gestellt.. nur auch genausoschnell als solche wieder anerkannt. Die meisten Mitglieder der Gruppe haben ein Persönlichkeitsmerkmal, das ihre Rolle in der Gruppe prägt. Dabei bleibt es dann aber auch an Charakterformung. Sie bleiben eindimensional. Sie sind insofern überzeugend, dass man ihnen ihr Leid anmerkt, es ist einem aber letztendlich relativ egal was aus ihnen wird. Selbst wenn der Film also anstelle von angekündigter ausgefeilter Überlebensaction lieber ausgeformte Charaktere und deren Umgang mit dem nahenden Tod zeigen möchte, macht er eine schlechte Figur.

Zugegebenermaßen werden die Hintergründe des Protagonisten im Gegensatz zu den übrigen Überlebenden etwas weiter ausgebaut. Sie führen sogar zu einem Twist der jedoch seine Wirkung verfehlt, da sich mit dem neuen Wissen nichts ändert, sondern nur die Motivation Ottoways weiter bestärkt wird.

Wölfe, die sonst gnadenlos und plötzlich zuschlagen, aber beim Protagonisten höflich abwarten, bis er nach minutenlanger Vorbereitung bereit zum Kampf ist. Ein Storytwist der keiner ist, aber als solcher in Szene gesetzt wird. All dies ließ mich ziemlich enttäuscht aus dem Kino gehen. ‘The Grey’ macht wie oben gesagt Dinge richtig aber auch einfach viel zu viele Dinge falsch.

-“Moooment! Ich muss mir noch spitze Gegenstände an die Hände binden.. so bin fertig. Bring it on, Wolf!”-

Link:

Review: ‘Die Frau in Schwarz’ (2012)

Ein Horrorfilm, der mit einem sehr gelungenen Trailer hohe Erwartungen schürt und Zuschauer ins Kino zieht, dort jedoch die angekündigte Spannung nicht aufbauen oder halten kann, enttäuscht wesentlich mehr als ein Film an den man eh keine Erwartungen gestellt hätte. “Die Frau in Schwarz” lässt den Zuschauer genau auf diese Art und Weise hängen.

Eine schnell erzählte Geschichte: Der verwitwete junge Anwalt Kipps (Daniel Radcliffe) bekommt den Auftrag, im Haus einer kurz zuvor verstorbenen Frau den zurückgebliebenen Papierkram zu durchforsten und zu ordnen, damit das Haus weiterverkauft werden kann. Die Bewohner des Dorfes raten ihm dringend sich von dem Haus fernzuhalten, doch getrieben vom Drang, für sich und seinen 4-jährigen Sohn aufkommen zu können, verfolgt Kipps seinen Auftrag weiter. Dabei zieht er im Haus die Aufmerksamkeit eines alten Geistes auf sich und kurz darauf sterben im genannten Dorf Kinder wie die Fliegen…

-Wuuuuuuuhhhhh-

Der Film baut zu Beginn mit tristen, blaustichigen Bildern recht schnell ein Gefühl von innerer Unruhe auf, was man sicher als gelungenen Einstieg werten kann. Jedoch setzt sich hier bereits der Ton für den Großteil des restlichen Films fest, denn wirklicher Horror stellt sich zu keinem Zeitpunkt ein. Es reihen sich im ersten Drittel die genreüblichen “Buuh ach nee doch nich”-Momente aneinander, gefolgt von den eigentlichen Schocks, welche funktionieren (zumindest bei mir), allerdings nur insofern, dass man eben bei plötzlichen lauten Geräuschen instinktiv zusammenzuckt. Zu gutem Horror bedarf es aber mehr als einem körperlichen Reflex, dessen Auslöser man zwei Sekunden danach schon wieder vergessen hat.

In seinem Ablauf ist der Film zu geradlinig um Raum für eventuelle Interpretation zu bieten. Auf visueller Ebene wird mit Kipps verstorbener Ehefrau kurz ein halbwegs interessanter Farbkontrast zur namensgebenden ‘Frau in Schwarz’ angeschnitten, jedoch nie wirklich ausgebaut. Somit trägt dieser ebenfalls nichts zur Symbolik- oder Deutungsebene bei, zumindest erschloss sich mir keine größere Erkenntnis bei der gesamten Dauer des Films. Auch das Ende kommt mystischer daher als es in seiner eigentlichen Handlung ist und hat nicht viel mit den Hauptelementen des restlichen Films zu tun.

-wenn der Film halb so clever wäre wie dieses Foto..-

Kurz zum Positiven: schauspielerisch gibt es nichts zu beanstanden. Man kauft Radcliffe diese neue Rolle ab und fühlt sich auch nicht an seine jahrelangen Harry-Potter-Darstellungen zurückerinnert. Da man mit “Die Frau in Schwarz” aber keine Charakterstudie sondern einen Horrorfilm produzieren wollte, würde auch die beste Schauspielleistung das Gesamtwerk nur bedingt über Wasser halten können. Es bleibt somit höchstens ein 08/15-Gruselfilm aus altbekannten Elementen, der seinem 2-Minuten-Trailer in Sachen Spannungsaufbau nicht gerecht wird.


Link:

Review: ‘The Vault’

Ein Geräusch gibt das Startsignal. Henry nimmt sich die Augenmaske vom Gesicht und sieht sich in dem kleinen, weißen, fensterlosen Raum um. Vor ihm klafft ein quadratisches, schwarzes Loch in der Wand, durch welches er beobachtet zu werden scheint; hinter ihm befindet sich eine Schalttafel. Er setzt sich das auf dem Boden liegende Headset auf und drückt wahllos eine der blauen Tasten - nichts passiert. Nach mehreren Versuchen ertönt eine Stimme. “Hello?

The Vault” ist eine amerikanische Webserie, von der bisher 2 reguläre Episoden von 10-15 Minuten Dauer sowie einige kurze Teaser erschienen sind. Die beiden Episoden wurden im Abstand von 5 Monaten veröffentlicht, was leider sehr ermüdend wirkt. Ich hoffe aber, dass zukünftige Episoden nicht so lange auf sich warten lassen.

Die Serie handelt von einer TV-Spielshow im Jahr 2016, in welcher jeder der Kandidaten in einen weißen, würfelförmigen Raum gesperrt wird. Jeder Raum stellt dem jeweiligen Kandidaten ein recht sinnlos erscheinendes Rätsel. Aus Sicht des Hauptcharakters Henry lernt der Zuschauer die anderen Kandidaten und deren Räume nach und nach kennen, denn nur er hat die Möglichkeit, über die Schalttafel mit Kandidaten telefonisch in Kontakt zu treten und somit logische Verknüpfungen zwischen den einzelnen Räumen und ihren Aufgaben zu finden. Im Raum einer Kandidatin befinden sich bspw. über 100 Fische in Fischgläsern sowie eine Packung Fischfutter - jedoch viel zu wenig, um alle Fische damit füttern zu können. Ein weiterer Raum beinhaltet ein Trainingsfahrrad, welches nur bei ständiger Benutzung Strom für die Lichtversorgung in dem Raum generiert, während in einem anderen Raum dutzende Uhren an der Wand hängen, welche jeweils eine andere Zeit anzeigen.

Booom! What now?

Die Grundidee der Serie ist nicht wahnwitzig originell (ich fühle mich an die Filme der SAW-Reihe erinnert, ohne den gesamten Splatter- & Gore-Anteil), die Umsetzung gestaltet sich dennoch spannend. Als Zuschauer weiß man genausoviel bzw. -wenig über die Situation Bescheid wie die Kandidaten und in jeder Episode kommen mehr und mehr Räume hinzu, so dass die Aufgabe von Henry, die Masse an ratlosen Kandidaten und ihren Aufgaben logisch in Beziehung setzen zu können immer unmöglicher erscheint.

Nicht alle schauspielerischen Leistungen sind vollends überzeugend, aber bei einer kostenfrei zugänglichen Webserie mit wahrscheinlich sehr niedrigem Budget und einer Besetzung, die komplett über Facebook gecastet wurde, lässt sich darüber hinwegsehen. Somit wirkt ‘The Vault’ auf mich insgesamt interessant und sehr sehenswert.

Ich hoffe, dass weitere Episoden nicht mehr so lang auf sich warten lassen und dass die Macher sich tatsächlich sinnvolle Verbindungen zwischen den Räumen und ihren Aufgaben ausdenken und diese in einer der nächsten Episoden erkennbar werden lassen. Andernfalls droht die Serie sich in ihrem eigenen Mysterium zu verwickeln und entlässt den Zuschauer mit mehr ungelösten Fragen als ‘LOST’ es damals tat.

So viele Fische, so wenig Futter..


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